Die Buntglasfenster

In unserem Kirchenraum finden sich 21 verschiedene Buntglasfenster. Das größte Fenster ist die Fensterrose in der Südwand mit einem Durchmesser von etwa 3 Metern; die die übrigen Fenster des Kirchenschiffs sind etwa 3 Meter hoch und 1,5 Meter breit. Einige Fenster sind zu bestimmten Themen, die 7 Sakramente und die Apokalyptische Frau, gestaltet und werden weiter unten vorgestellt. Einige Fenster sind freie Kompositionen des Künstlers und prägen den Kirchenraum in erster Linie durch ihre Farbigkeit und einige Fenster haben ornamentale Muster.

 

Die farbenfrohen Kirchenfenster unserer Kirche sind zum Großteil im Jahr 1959 entstanden. Der Künstler Ludwig Baur aus Telgte hat sie entworfen. Lediglich drei Ornamentdarstellungen, die ein einfaches Kreuzornament zeigen, wurden bereits kurz nach dem Bau der Kirche durch einen unbekannten Künstler erstellt.

Die sieben Sakramente

 

 

 

Taufe

 

Dieses Fenster, das viele unterschiedliche Blautönen enthält, zeigt das Taufsakrament. Sofort erblickt man die zahlreichen Fische im Netz, alle sind sie etwas unterschiedlich groß, haben andere Muster und Farben. Manche sind eher schlicht, andere leuchtend rot. Darüber ist ein Kreuz zu sehen, von dessen Querbalken das Netz gehalten wird.

 

Der Künstler will uns das Taufsakrament hier in Anlehnung an das Motiv des Menschenfischers vorstellen: Christus will uns für sich gewinnen und durch die Taufe gehören wir zu ihm. Wie die Fische sind auch wir als Menschen alle verschieden, manche bunt und schrill, andere eher dezent und zurückhaltend. Doch alle werden gleichermaßen von Christus gehalten und sind Teil einer vielfältigen Gemeinschaft.

 

 

Eucharistie

 

Das Fenster zum Altarsakrament zeigt uns unten einen Fisch, darüber einen Korb mit einigen Broten, ein weißes Kreuz und eine Weinrebe mit Weinlaub und Trauben.

 

Brot und Trauben verweisen auf das letzte Abendmahl und somit direkt auf das Altarsakrament: Brot und Wein werden zu Leib und Blut Christi.

 

Die Brote im Korb erinnern zusammen mit dem Fisch an die wunderbare Brotvermehrung, bei der Jesus mit wenigen Broten und Fischen tausende Menschen sättigt.

 

Christus selbst ist im Altarsakrament gegenwärtig und wird hier durch das Kreuz und auch durch den Fisch symbolisiert, denn das griechische Wort für Fisch, "ICHTHYS", ist ein Akronym für kurzes Glaubensbekenntnis, das bereits das Urchristentum kannte. Jeder Buchstabe hat eine Bedeutung: Iesous Christos Theou 'Yos Soter = Jesus Christus, Sohn Gottes, Retter.

 

 

Firmung

 

Das Fenster zur Firmung zeigt über allem schwebend den Heiligen Geist in Form einer Taube, die die Flügel über das ganze Geschehen ausbreitet. Unterhalb der Taube finden sich Feuerzungen, Wassertropfen und angedeutete Windböen, die allesamt von der Taube ausgehen.

 

Im unteren Bereich des Fensters ist eine große Schlange, als Sinnbild des Bösen dargestellt. Doch dieses Böse wird durch das Schwert und durch die von der Taube ausgehenden Hilfen besiegt. Das kreuzförmige Schwert symbolisiert Christus und ist von seinem erlösenden Blut rot gefärbt. Wer auf Christus vertraut, besiegt das Böse.

 

In diesem Kampf gegen das Böse und in unserem Glauben an das Gute will uns die Firmung bestärken, hierin sollen uns die dargestellten Geistesgaben unterstützen.

 

 

Ehe

 

Dieses Fenster symbolisiert das Ehesakrament durch einen grünen Baum, in welchem drei Vögel sitzen. Der weiße Vogel in der Mitte der Baumkrone sitzt auf einem Nest, der Vogel darüber scheint Ausschau zu halten und ein dritter klettert unterhalb des Nestes im Baum herum.

 

Es soll ein Vogelpaar zeigen, das sich gemeinsam ein Nest gebaut hat, Nachwuchs erwartet und sich um seinen Nachwuchs sorgt, auch wenn dieser dritte Vogel scheinbar schon flügge geworden ist.

 

Der Baum, als Familienbaum ein bekanntes Sinnbild und als Raum für das Zusammenleben des Vogelpaares, gründet nicht in einem breiten Wurzelwerk, sondern im Kreuz. Das Ehesakrament, das gemeinsame Leben des Paares und die Liebe zueinander ruhen auf Gott, als sicherem Fundament.

 

 

Priesterweihe

 

Im Zentrum des Fensters stehen Kelch und Hostie. Christus selbst, nur als Umriss dargestellt und vom Kreuz durchstrahlt, streckt uns den Kelch entgegen. Darunter liegen in einer Schale zwei Fische und Weizenähren, die wie Kelch und Hostie auf die Eucharistie hinweisen.

 

Das Fenster zeigt uns, dass die Feier der Eucharistie die zentrale Aufgabe des Priesteramtes ist, neben der Verkündigung des Evangeliums, der Spendung der übrigen Sakramente und der Seelsorge.

 

Unten findet sich der lateinische Satz „SACERDOS IN AETERNAM“ (= „Priester auf ewig“), ein Zitat aus dem Psalm 110. Der Psalm wird bereits im Hebräerbrief des Neuen Testamentes auf Jesus bezogen: Christus selbst ist Priester auf ewig. Das Priesteramt ist daher eine besondere Form der Christusnachfolge.

 

 

Krankensalbung

 

Als erstes erblickt man im Fenster zur Krankensalbung den großen Vogel im oberen Teil des Fensters. Er nimmt Bezug auf den Propheten Elija, welchem Gott durch einen Raben Brot und Fleisch als Speise bringen ließ. Als solche Stärkung soll auch die Krankensalbung wirken. Darunter findet sich ein Schiff, das bereits in der Antike symbolisch den Sterbenden an das "andere Ufer" geleitet. Auch die fast abgelaufene Sanduhr zeigt das Ablaufen der Lebenszeit.

 

Insgesamt ist das Fenster aus dem Jahr 1959 dunkel gestaltet und zeigt eindeutig ein Verständnis der Krankensalbung, das sich wenige Jahre später mit dem 2. Vatikanischen Konzil wandeln wird. Damals wurde das Sakrament als „letzte Ölung“, als Sterbesakrament betrachtet. Seit dem Konzil hingegen steht die Stärkung bei schwerer Krankheit, die im Fenster mit dem helfenden Raben nur einen kleinen Teil einnimmt, im Vordergrund.

 

Beichte

 

Zunächst fällt der Blick auf zwei Personen in der Fenstermitte. Ein alter und ein junger Mann, die sich umarmen. Das Fenster zum Beichtsakrament greift hier die biblische Geschichte des verlorenen Sohnes auf. Ein Sohn ließ sich seinen Erbteil vom Vater ausbezahlen und zog in die Welt hinaus, wo er einen ausschwei-fenden Lebensstil führte und alles Geld verprasste. Als eine Hungersnot aufkam, stand er allein und verarmt da. Voll Reue kehrte er zum Vater zurück, welcher ihm vergab und ihn wieder aufnahm.

 

Über dieser Szene ist ein krähender Hahn zu sehen. Er erinnert an Petrus, der Jesus dreimal verleugnet hatte, ehe der Hahn krähte und daraufhin bitterlich weinte. Nach Jesu Auferstehung vergibt Jesus ihm.

 

Das Fenster zeigt also, dass auch wir in der Beichte Vergebung finden können und uns mit Gott versöhnen können.

Die Apokalyptische Frau

Die drei Fenster, die Ludwig Baur für den Altarraum entworfen hat, bilden zusammen eine Einheit. Das mittlere Fenster zeigt die sogenannte Apokalyptische Frau. In frühchristlicher Zeit wurde die Apokalyptische Frau als Symbol für die Kirche angesehen. Seit dem Mittelalter wird sie jedoch zumeist mit Maria identifiziert, als sogenannte Mondsichelmadonna. Das Motiv der apokalyptischen Frau stammt aus der Offenbarung des Johannes:

 

„Dann erschien ein großes Zeichen am Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet; der Mond war unter ihren Füßen und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt.“ (Offb 12,1)

 

Die beiden äußeren Fenster sind gänzlich als Ornament gestaltet, im mittleren durchbricht die apokalyptische Frau dieses Ornament. Die Hände zum Gebet erhoben, der Fuß auf dem Sichelmond ruhend. Die weiteren Attribute der apokalyptischen Frau zeigt das Fenster nicht.


Im mittleren Fenster findet sich unten rechts die Signatur des Künstlers und des aus- führenden Glasmalermeisters:

 

ENTW.: L. BAUR / AUSF.: W. DERIX / DÜSSELDORF-KAISERSWERTH

 

 

Abbildungen aller Kirchenfenster unserer Barbara-Kirche (und auch aller weiteren Kirchen unserer Pfarrei St. Johann) finden Sie auf den Internetseiten der Stiftung "Forschungsstelle Glasmalerei e.V."