Die Glocken

Im Kirchturm der Barbara-Kirche hängen drei Bronze-Glocken, die die Gläubigen in Röttgersbach zum Gottesdienst und zum Gebet rufen, die unsere Freude bei Taufen, Hochzeiten und Feiern ausrufen und unsere Toten auf dem letzten Weg geleiten. Auf dieser Unterseite erfahren sie von der Geschichte und allen Details unserer Glocken.

Barbaraglocke

Die Barbara-Glocke wurde mit dem Bau der heutigen Kirche in Auftrag gegeben und wurde von der Glockengießerei Feldmann und Marschel aus Münster im Jahr 1952 gegossen. Am 11. Oktober 1952 konnte die Glocke geweiht und mit den beiden älteren, bereits geweihten Glocken in den Kirchturm verbracht werden. Sie ist nicht nur die jüngste, sondern auch die kleinste der drei Glocken in unserem Kirchturm. Täglich um 8 Uhr, 12 Uhr und 18 Uhr läutet die Barbaraglocke einige Minuten zum Angelusgebet.

 

Die Glocke wiegt ca. 450 kg und hat den Schlagton a'+6. Ihr Durchmesser beträgt etwa 90 cm und ihre Höhe etwa 86 cm.

 

Glockeninschriften:

 

SANKT BARBARA,

DU EDLE BRAUT, MEIN LEIB UND SEEL

SEI DIR VERTRAUT.

 

Gegossen von Feldmann und Marschel, Münster

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Christusglocke

Die Christusglocke wurde schon im Jahr 1595 gegossen und nur zwölf Glocken im Bistum Essen sind laut Glockenbuch des Bistums noch älter. Die Glocke hing ursprünglich in der Michaelskirche von Langenau (heute Czernica), im Kreis Löwenberg in Schlesien. Die Michaelskirche wurde im 13. Jahrhundert erbaut und wurde im Zuge der Reformation evangelisch und mit dem Einsetzen der Gegenreformation im Jahr 1655 wieder katholisch. Die Christusglocke wurde von Graf Schaffgottsch zu der Zeit gestiftet, als die Kirche evangelisch war. Seit die Gemeinde wieder katholisch wurde, wurde die Glocke wegen ihres 'evangelischen Ursprungs' auch Ketzerglocke genannt. Im Jahr 1917 sollte die vermeintliche Ketzerglocke sogar eingeschmolzen werden, was glücklicherweise jedoch verhindert wurde. In den 1940er Jahren sollte sie für die Kriegsindustrei der Nationalsozialisten eingeschmolzen werden und wurde eingezogen. Doch wurde die alte Glocke letztlich für zu wertvoll befunden und gelangte auf einen Glockenfriedhof nach Hamburg, wo sie bis zum Kriegsende lagerte und von dort 1952 zu uns kam.

St. Michael - Langenau (heute Czernica)

Foto: "Czernica, kościół pw. św. Michała Archanioła 1.jpg" von Platanacero. Lizenz: CC BY-SA 2.0


Die Bronzeglocke wiegt ca. 865 kg und hat den Schlagton g'+9. Die Christusglocke hat einen Durchmesser von 111 cm und eine Höhe 98 cm.

Glockeninschriften:

 

LOBET DEN HERRN MIT CIMBALEN / LOBET IN HELKLINGENDEN CIMBALEN /

ALLES WAS ODEM HAT LOB DEN HERRN; / HALLELUJA

 

RUF MICH AN ZUE ZEIDT DER NOT SPRICHT / DER HERR SO WILL ICH DICH ERHÖREN /

UND DU SOLT MICH PREISEN

 

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BALTHASAR SCHAFFGOTTSCH GENANNT / VOM KINAST AUFF LANGENAW /

                                                                          FREIHERR ZUE TRACHENBERG – STIFTER

 

Geschmückt ist diese Glocke mit einem Relief der Kreuzigungsgruppe, da die Glocke Christus geweiht ist, dem Wappen der Familie Schaffgottsch, als Symbol für die Stifter der Glocke, und einem Fries aus Naturszenen und Pflanzenornamenten. Die Glockenkrone, also die Aufhängung, wird von sechs weiblichen Wesen gebildet.

 

Im Jahr 2002 mussten Christus- und Trinitatisglocke aus dem Turm gehoben und in Nördlingen repariert werden. Die Rückkehr der Glocken ermöglichte die folgenden Fotos der Details, die so im Turm kaum zu erkennen sind:

Trinitatisglocke

Die Trinitatisglocke wurde 1749 von Friedrich Schweys in Münster gegossen und zu späterer Zeit einmal renoviert, wie eine Inschrift verrät. Diese Glocke wurde nicht nur in Münster gegossen, sondern war auch für eine Münsteraner Kirche bestimmt: Sie hing ursprünglich in der St.-Servatii-Kirche in Münster, welche im Zweiten Weltkrieg jedoch fast völlig zerstört wurde, wobei die beiden Glocken unbeschadet blieben. Der Münsteraner Prälat Joseph Leufkens äußerte nach der Zerstörung: „Wir kletterten über die Trümmerhaufen zur Kirche. Von Altar und Tabernakel war nichts mehr zu finden. Auf den Mauerresten zündeten wir eine Kerze als das letzte ewige Licht an, zum letzten Mal beteten wir das Tantum ergo. Sankt Servatii war nicht mehr.“ Nach dem Krieg wurde die Servatii-Kirche zwar wieder aufgebaut, doch der alte, große Westturm wurde nicht wieder errichtet. Stattdessen wurde an der Nordseite ein neuer, aber viel kleinerer Turm angebaut. Dieser konnte fortan nur eine einzelne kleine Glocke aufnehmen, sodass die beiden bisherigen Glocken von 1749 der Servatii-Kirche an andere Kirchen abgegeben wurden.

 

So wurde nach dem Bau unserer Barbara-Kirche die damals bereits über 200 Jahre alte Trinitatisglocke gegen eine jährliche Gebühr an unsere Gemeinde ausgeliehen und einige Jahre später durch unsere Gemeinde gekauft. Seither läutet sie zu allen Hochfesten gemeinsam mit den anderen beiden Glocken oder allein als Totenglocke bei Beerdigungen. Täglich um 8 Uhr, 12 Uhr und 18 Uhr ruft die Trinitatisglocke mit 3x3 Schlägen zum Angelusgebet.

 

Auch die Trinitatisglocke ist aus Bronze gegossen, wiegt ca. 925 kg und hat den Schlagton f'+12. Sie hat einen Durchmesser von 110 cm und eine Höhe 112 cm.

St. Servatii - Münster

(mit neuem, kleinerem Turm)

Foto: "MuensterServatii7901.jpg" von Rüdiger Wölk, Münster. Lizenz: CC BY-SA 2.0


 

Glockeninschriften:

 

SOLI DEO HONOR ET GLORIA • FRIDERICUS SCHWEYS ME FECIT MONASTERII

 

SANCTISSIMAE TRINITATI DICATA QVASI NOVV PHAENIX EX IGNE RESVRGO

 

A:H:L:B: DROSTE EX VIS :D: IN VORHELM ET / A:D:L:B: AB ASCHEBERG EX BOTZ : RENO CUR

11.10.1952: Trinitatisglocke mit Blattornamenten und Allsehendem Auge
11.10.1952: Trinitatisglocke mit Blattornamenten und Allsehendem Auge

Übersetzt bedeuten die Inschriften Folgendes: Allein Gott Ehre und Ruhm • Friedrich Schweys schuf mich in Münster / Der heiligen Dreifaltigkeit geweiht, erstehe ich neu aus dem Feuer wie ein neuer Phönix / A.H.L.B. Droste von Vischering, Droste in Vorhelm und A.D.L.B. aus Ascheberg von Botz besorgten die Erneuerung.

 

Die hervorgehobenen Buchstaben der lateinischen Inschrift ergeben außerdem ein Chronogramm des Gussjahres der Glocke in Römischen Ziffern : CIIMIIIDICVIVVIXXIV = MDCCXXVVVVIIIIIIIII = 1749

 

Geschmückt ist die Glocke mit einem Relief des 'Allsehenden Auges', einem Auge in einem Dreieck mit einem Strahlenkranz, was ein Symbol für die Dreifaltigkeit ist, welcher die Glocke geweiht wurde. Oberhalb der Inschriften findet sich ein Fries aus Blattornamenten und Puttendarstellungen und unterhalb der Inschrift erneut ein Fries aus Blattornamenten. Die Glockenkrone wird von sechs Seraphim gebildet.

 

Auch die Detailfotos der Trinitatisglocke sind bei der Rückkehr und dem Wiedereinsetzen in den Turm im Jahr 2002 entstanden:

Glockenweihe 1952

Am 11. Oktober 1952 standen alle Glocken unserer Kirche im Pfarrgarten unter dem Turm und warteten darauf, in den Turm hinausfgezogen zu werden. Die Christus- und die Trinitatisglocke waren bereits vor Jahrhunderten geweiht worden, so dass nur die neue Barbaraglocke geweiht wurde. Mit Flaschenzügen und Manneskraft fanden die Glocken anschließend den weg zu ihrem Bestimmungsort im Turm.

Glockenrückkehr 2002

Die beiden ältesten Glocken wurden nach nur 50 Jahren in unserem Kirchturm reparaturbedürftig: Das Stahljoch, in welchem sie 1952 aufgehängt wurden, hatte der Christus- und der Trinitatisglocke geschadet und Haarrisse verursacht; aus der Trinitatisglocke war im Jahr 1995 sogar der Klöppel herausgebrochen. Von 1995 an konnten nur noch die Barbaraglocke und mit großer Vorsicht auch die Christusglocke geläutet werden. Etwa 50.000 DM mussten für die Reparatur aufgebracht werden, wobei vom Bistum und vom Land keine fianzielle Hilfe zu erwarten war. Da der Kredit für die Orgel noch abbezahlt werden musste, konnte die Reparatur der Glocken erst sieben Jahre später erfolgen! Im Juni 2002 wurden die Glocken aus dem Turm gehoben und im einzigen Glockenschweißwerk Deutschlands, in Nördlingen, wurden die Glocken repariert. Im September 2002 kehrten die Glocken von ihrer Reise zurück in den Turm, wo sie seither in einem Holzjoch hängen und wieder zum Gottesdienst rufen.

Die Glocken in Aktion

Während der jährlichen Wartung hat Julian Hoffmann von unserer Glockenwartungsfirma "Ars Campana" Aufnahmen vom Probeläuten gemacht, sodass man sich hier nun nicht mehr ausschließlich über die Glocken von St. Barbara, ihre Daten und Historie informieren kann, sondern die Glocken auch läuten sehen und vor allem hören kann:

Barbaraglocke

Christusglocke

Trinitatisglocke